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Schuld



Das Gefühl der Schuld ist eine schwerwiegende Last, die wir oft über viele Jahre hinweg mit uns tragen. Es kann durch eine falsche Reaktion, ein unbedachtes Wort oder eine unüberlegte Handlung ausgelöst werden. Doch war es wirklich falsch? Oft entsteht das Gefühl der Schuld erst durch die Reaktionen unserer Mitmenschen auf unser Verhalten. Solange wir keine solche Reaktion bemerken oder uns vorstellen, fühlen wir uns nicht schuldig. Erst wenn wir sehen, dass unser Handeln unser Gegenüber verletzt, gekränkt oder verärgert, überkommt uns plötzlich dieses schmerzhafte Gefühl, etwas Falsches getan zu haben. Dabei haben wir oft aus einem positiven Impuls heraus gehandelt oder auf unsere innere Stimme gehört. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Reaktionen anderer Menschen nicht notwendigerweise etwas mit uns oder unserem Handeln zu tun haben. Es sind ihre eigenen unerfüllten Bedürfnisse und Vorstellungen, die sie so reagieren lassen. Eine Geschichte kann das verdeutlichen:

Die Schnecke!

Eines Tages machte ich mit einer Freundin einen Waldspaziergang. Sie hatte immer wieder mit dem Gefühl der Schuld zu kämpfen. Plötzlich blieb sie stehen, hielt mich zurück und bückte sich. Ich wusste nicht, was sie vorhatte, bis ich sah, dass mitten auf dem Weg eine Schnecke in ihrem Schneckenhaus lag. Sie hob die Schnecke behutsam auf und setzte sie am Wegesrand im Gras ab, um zu verhindern, dass jemand auf sie treten würde. Ich fragte sie, "Wie wusstest du, in welche Richtung die Schnecke eigentlich wollte?" In ihrem Gesicht konnte ich plötzlich wieder Unsicherheit und Schuldgefühle erkennen. Aber warum? Es gab absolut keinen Grund dafür, denn ihr Handeln diente allein dem Schutz dieses Lebewesens und einem höheren Gedanken. Es spielte keine Rolle, wohin die Schnecke eigentlich wollte; sie wurde vor einer möglichen Gefahr gerettet. Ich bin sicher, dass all deine Reaktionen, Worte und Handlungen niemals böse gemeint waren, sondern immer von dem festen Glauben begleitet wurden, das Richtige zu tun. Du kannst nicht wissen, welche Erwartungen andere an dich haben oder wie sie auf dein Verhalten reagieren werden. Solltest du deine eigenen Überzeugungen zurückstellen, um jemand anderem ein gutes Gefühl zu geben, selbst wenn du weißt, dass es in die falsche Richtung führt? Das Verhalten anderer Menschen, die sich schuldig fühlen dir gegenüber, folgt oft demselben Prinzip. Auch sie haben es in den meisten Fällen gut gemeint. Selbst die Menschen, die dich absichtlich verletzt haben, empfinden selten Reue. Das Vergeben von Menschen, die sich wirklich schuldig fühlen, kann beiden Seiten sehr helfen. Dem einen wird die Last der Schuld genommen, und du erleichterst deinen eigenen Lebensrucksack. Ein weiser alter Mann sagte mir einmal: "Jeder tut zu jeder Zeit das, was er in diesem Moment für richtig hält. Ob er es fünf Minuten später immer noch so sieht, ist ungewiss. Aber in dem Moment, in dem er handelt, war es für ihn richtig

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